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Hilfe zur Bestimmung von Mikroorganismen

Wer wissen möchte, welche Einzeller beziehungsweise Mikroorganismen unter dem Mikroskop zu sehen sind, kann als erste Anlaufstelle in das Buch:
"Das Leben im Wassertropfen" von Heinz Streble und Dieter Krauter sehen.
Dort sind viele Zeichnungen von Mikroorganismen vorhanden, die im Süßwasser leben. Im vorderen Teil des Buchs befindet sich ein "Typenschlüssel", der die Mikroorganismen gruppiert z.B. nach Wimpertierchen - also Einzeller, die "Wimpern" an der Zelle besitzen, Rädertierchen, Amöben, verschiedene Krebschen, Algen und so weiter. Die Erfahrung zur Bestimmung kommt mit der Zeit. Am Anfang ist erst einmal die grobe Eingruppierung wichtig - z.B. handelt es sich um ein Wimpertierchen. Danach kann anhand der Form, der Anordnung der Wimpern oder Zirren (gebündelte Wimpern) oder der Lage der Zellorganellen wie z.B. Mikronucleus, Makronucleus oder kontraktiler Vakuole das Wimpertierchen genauer bestimmt werden. Auch die Größe, der Fundort, Bewegung und die Nahrung des Mikroorganismus kann bei der Bestimmung helfen.

Zu dem Buch "Das Leben im Wassertropfen" muss angemerkt werden, dass in den letzten Jahren durch genetische Untersuchungen die Eingruppierung und einige Namen der Mikroorganismen geändert wurden. Als Startpunkt ist das Buch aber auf jeden Fall hilfreich.

Um die Details eines Mikroorganismus wie Zellorganellen besser herauszuarbeiten, gibt es bei Youtube ein hilfreiches Video von Martin Kreutz: Isolieren, fotografieren und identifizieren von Protozoen und Metazoen. Alternativ zum Plattdrücken unter dem Deckgläschen ist es auch möglich schnelle Einzeller in einem Gel wie Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) zu verlangsamen und dadurch besser die Details zu beobachten.

Martin Kreutz pipettiert die Mikroorganismen unter dem Mikroskop aus einer Wasserprobe heraus. Für die meisten Menschen ist es einfacher eine Stereolupe zum Pipettieren einer Wasserprobe zu benutzen, da mehr Platz unter der Stereolupe ist und man nicht spiegelverkehrt seine Hand führen muss. Eine einfache Stereolupe aus China gibt es für 220 Euro ("Vevor Stereomikroskop"). Die ist zum Isolieren von Mikroorganismen ausreichend. Desweiteren empfiehlt sich eine LED-Dunkelfeldbeleuchtung für die Stereolupe von Gerd Günther für 100 Euro. Zum Pipettieren empfiehlt sich eine einstellbare Kolbenhubpipette mit einem Volumen von 10 bis 100 Mikrolitern. In den üblichen Online-Märkten gibt es die Pipette für etwa 30 Euro, wenn man nach "Pipette 100 µl" sucht (10-100µl). Am besten bestellt man sich gleich die gelben Pipettenspitzen (200 µl) mit dazu. Eine ausgezogene Glaspipette funktioniert auch, aber Glas hat einen Adhäsionseffekt, der bei Kunststoff nicht so stark auftritt. Je nach Größe des Mikroorganismus ist bei der Kolbenhubpipette eine Einstellung von 20 µl ein guter Wert.

Beim Pipettieren der Mikroorganismen hat Martin Kreutz Dreck auf eine Seite des Deckgläschens geschoben, damit der Mikroorganismus nicht vom Deckgläschen zerdrückt, sondern nur eingeklemmt wird. Eine Alternative zu Dreck an der Seite des Deckgläschens ist Vaseline, die im Drogeriemarkt zu bekommen ist. Einfach ein wenig Vaseline auf die Haut schmieren, mit einer Seite des Deckgläschens über die Haut streichen, so dass Vaseline am Rand bleibt und dann vorsichtig das Deckgläschen auf den Objektträger mit dem Wassertropfen legen. Anschließend kann mit einer Filtertüte für Kaffee ein Teil des Wassers unterm Deckgläschen abgesaugt werden.

Auf der Webseite Real Micro Life von Martin Kreutz sind viele Fotos mit Details zur Bestimmung von Mikroorganismen zu finden. Diese Fotos sind eine sehr gute Ergänzung zu den Zeichnungen im Buch "Das Leben im Wassertropfen".

Ebenso hilfreich ist die Webseite von Michael Plewka, der sich verstärkt mit Rädertieren beschäftigt, aber auch viele andere Mikroorganismen mit detaillierten Fotos präsentiert. Desweiteren ist die Webseite Protisten von Wolfgang Bettighofer zu erwähnen.

Es gibt auch Bestimmungsliteratur, die sich auf bestimmte Gruppen spezialisiert hat. Zu nennen wäre hier z.B. bei Wimpertierchen Wilhelm Foissner mit einem Bestimmungsschlüssel für Wimpertierchen in Band 4 ab Seite 13. Bei Amöben wäre zum Beispiel die Webseite von Ferry Siemensma zu nennen. Oder bei Algen das Buch "Der Kosmos-Algenführer: Die wichtigsten Süßwasseralgen im Mikroskop".

Wer keine Idee hat, kann auch im Mikroskopie-Forum im Board "Bestimmungshilfe" sein Glück probieren und Mikrofotos hochladen. Wichtig ist, möglichst viele Details des Mikroorganismus auf Fotos zu präsentieren. Allerdings ist das keine Garantie für eine richtige Bestimmung.

Auf Youtube gibt es viele Videos von Mikroorganismen. Leider gibt es dort auch viele Falschbestimmungen. Hier sollte man sich lieber auf die oben erwähnten Profis verlassen, die sich intensiv mit der Bestimmung beschäftigt haben.